August 30

Transcendence, Lucy und die Indianische Matrix (Vorsicht Spoiler!)

Hallo da draußen, vor Euren Bildschirmen,

ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir liegt das Kino- / Filmjahr 2014 etwas im Magen. Von einigen Filmen, von denen ich mir viel versprochen habe, wurde ich schwer enttäuscht, von anderen positiv überrascht und wieder andere ließen völlig mich kalt.

In meiner Karriere als Filmonkel bei SF-Radio habe ich eigentlich nur einen einzigen Verriß geschrieben, weil ich – oft auch an den noch so sehr von Kollegen verissenen Filmen etwas gutes finde. Der Film, den es damals traf war eine Comicverfilmung der Franko-Belgischen Reihe “Blueberry” über einen etwas anderen Westernhelden.

Dabei hatte dort alles so gut angefangen und ein 3/4 des Filmes funktionierte für mich toll, doch dann – die letzte halbe Stunde, die sich wie 3 Stunden anfühlte – nahm die Geschichte einen Twist und plötzlich waren wir in einer Art Indianischen Matrix – einer Kopfwelt, in der nicht nur der Sinn des Rachefeldzugs des Protagonisten in Frage gestellt war, sondern auch der Endkampf auf sehr abstrakte und für mich kaum nachvollziehbare weise ausgefochten wurde. So wurde der eigentlich passable Western zu einem unverdaulichen Klops und der Film zu meinem – wie gesagt – einzigen Verriss-Review…

Zurück in der Gegenwart, habe ich in den vergangen Tagen den neuen Film von Luc Besson “Lucy” auf der großen Leinwand gesehen und fühlte mich stark an “Blueberry” erinnert. Luc Besson kann eigentlich gute Filme machen. Mit Streifen wie “Nikita” oder “Leon, der Profi” hat er Leinwandgeschichte geschrieben und bewiesen, dass gute und starke Frauenfiguren sehr wohl funktionieren – zumeist sind die Damen in Hollywood ja gerne nur schmückendes Beiwerk. “Das 5. Element” zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen! Aber hier, ja hier, bei “Lucy” hat er für mich völlig daneben gelangt.

Ja, Scarlett Johannson ist mal wieder Badass, aber den Film Tragen vermag Ihre Lucy nicht. Und dabei liegt es weniger an der Schauspielerin, sondern dem extrem dünnen Skript, dass bestenfalls für eine Kurzgeschichte gereicht hätte. Gerade mal ca. 20 Minuten im Film ist die Progonistin so Übermenschlich, dass der Rest der Geschichte in absolut lineal und spannungsbefreitheit daher kommt. Von dem Action-Thriller, bleibt nur noch die Action übrig, und an der sieht man sich schnell satt.

Viel schlimmer empfinde ich den Fakt, dass alle Charaktere – einschließlich der Hauptfigur – extrem flach und einfach bleiben. Abgesehen von einigen kleinen Momenten mit Ihrer Freundin, bzw. einem Telefonat mit ihren Eltern, erfahren wir kaum etwas über Lucy, die Studentin. Und da sie nach Verabreichung der Drogen dann plötzlich völlig emotionslos agiert, verhindert jegliche Idenfikation mit der Hauptfigur.

Und Morgan Freemann wird auf einen staunenden Stichwortgeber reduziert, der die radebrechenden Theorien des Films zu erklären versucht. Dabei wird der Film einmal mehr Opfer eines falschen Marketings, denn der Trailer enthält nicht nur bereits alle Schlüsselszenen, sondern auch die meisten Actionszenen. Die restliche Handlung ist wie schon gesagt sehr dünn und der Film hat Längen – trotz seiner nur 89 Minuten. Lieber das nächste Mal am Anfang mehr Charakterentwicklung und Spannungsaufbau…

Dabei scheint Morgan Freemann inzwischen den Ruf des Erklär- und Staunonkels zu haben, denn diesen spielt er auch in “Transcendance”, den ich gestern abend im Heimkino konsumiert habe. Auch wenn beide Filme eigentlich eine sehr unterschiedliche Ausgangsbasis haben, erkennt man schnell die Parallelen:

In beiden Filmen geht es um die Steigerung der Intelligenz, einmal durch Droge, einmal durch digitalen Upload eines Bewusstseins in einen Supercomputer. Beide Filme wurden sehr fälschlich als Tech-Thriller beworben, am Ende gefiel mir “Transcendence” jedoch deutlich besser. Gut, hier wird der Ausgang schon vorweg und damit die Spannung aus dem Weg genommen, aber der langsame Ausbau und die gezeigten Gedankenspiele empfand ich als deutlich interessanter. Ich würde den Film mehr als Was-Wäre-Wenn mit Dramaelementen und einem Schuß “Akte X” (hier gab es in der 5. Staffel ja schon eine ähnliche Folge) beschreiben.

Die Besetzung ist gut, auch wenn es inzwischen ungewohnt ist, Johnny Depp in einer nicht cartonesquen Rolle zu sehen. Auch aggiert er sehr minimalistisch, ich muss allerdings auch klar feststellen, dass ich seinen Will Castor gelungener fand, als Scarletts Lucy.

Das Ende ist eine zweischneidige Sache, aber ich hatte das Gefühl, einen doch versöhnlich runden Film zu sehen – wenn wie gesagt auch ohne wirkliche Spannung und sehr ruhigen Bildern… so ruhig, dass der Trailer auch hier wieder ein völlig falsches Bild vermittelt. Ich hätte gesagt, wäre “Transcendence” so in den 90igern gelaufen, wäre es kaum aufgefallen. Auch dass der Film – wohl dem Budget und dem Drehbuch geschuldet, nur in den USA spielt, wenn auch die Handlung weltweite Auswirkungen hat.

“Lucy” ist definitiv keine Empfehlung, “Transcendence” kann für interessierte ein nettes Gedankenspiel sein, jedoch kein wirklicher Thriller.

Wie sehen uns im Kino,

Euer Falk