April 19

~5 Jahre innovative fiction auf YouTube – ein Fazit

Der offensichtliche Widerspruch der aber keiner ist…

Hörspiele auf YouTube – was im ersten Moment nach einer erstklassigen Themaverfehlung klingt – Hörspiele sind bekanntlich nur Audio und YouTube ist vor allem Video (mit Audio) – ist auf den zweiten Blick durchaus ein überlegenswertes Konzept für die Zielgruppe. So sehr es uns Machern auch schmerzt von unseren Produktionen immer weniger an den Mann (oder natürlich die Frau) zu bringen, so wichtig ist aber auch, die Augen offen nach neuen Vertriebswegen zu halten. Denn zu unattraktiv YouTube auf den ersten Blick für Hörspiele auch sein mag und je gering die Einnahmen im Vergleich zu einem CD-Verkauf sein mögen, so bietet YouTube etwas, dass dem Hörspiel zu neuem Glanz verhelfen könnte: Reichweite!

Wie oft ist in den einschlägigen Foren und Seiten zu lesen, wie schlimm es dem Hörspielmarkt doch gehe. Die Wahrheit ist allerdings eher, dass sich der Markt – wie es jeder größere Markt in den letzten Jahren schon getan hat – an die neuen Medien anpasst und man in der neuen Welt nach seiner eigenen Niesche suchen muss…

Heute wollen die Leute konsumieren, aber immer weniger besitzen. Musikflatrates und Streaming-Video-Dienste erschließen und transformieren eine Käuferschaft in eine reine Konsumgesellschaft. Wer heute sein Produkt an den Mann bringen will, muss einen Weg für sich und sein Medium finden, mit einer neuen Realität klar zu kommen.

Nicht Zwangspessimismus, sondern Blick nach vorn!

So fatalistisch das jetzt klingen mag, so real, aber auch normal ist es – das passiert alle Jahre wieder. So ersetzte die Kassette die Platte, die CD die Kassette und der Download die CD. Viele Hörer wollen eben nur noch das – Hören – früher musste man sich gleich den ganzen Tonträger kaufen, heute will der Ottonormalverbraucher nur noch hören, und zwar was er will, wann er es will. Dazu hat ihn die “Geiz ist Geil” Politik gemacht. Der Segen und Fluch des Internets ist Verfügbarkeit, und zwar 24 Stunden / 7 Tage die Woche und das über Jahre – Früher war ein Produkt mal vergriffen, heute hat man ein immer größeres Angebot, weil kaum ein Produkt noch durch eine Menge beschränkt ist. Es sei natürlich nicht bestritten, dass es die Sammler auch noch gibt, die weiterhin auf klassische Medien und den habtischen Besitz einer Sache wert legen – die werden jedoch immer weniger und irgendwann platzt jedes Regal. Vielmehr sehe ich die Sammlereditionen als limitiertes, dafür aufwändigeres Luxusgut.

Heute treten die Klassiker in Wettbewerb mit den Novalitäten und der Hörer wird mit der größten Auswahl und Verfügbarkeit in der Geschichte des Konsums belohnt. Umso wichtiger ist der Preispunkt, der zwar auf der einen Seiten hoch genug sein muss, um eine Mindestqualität zu erreichen, aber so gering sein muss, dass der Käufer zugreift. So darf der Download nie teurer als die CD sein, auch wenn der Konsument dadurch den Zeitvorteil erhält, das Hörspiel im selben Moment zu hören, wie er den Kauf abgeschlossen hat (naja, der Download steht noch dazwischen, der ist bei Audio jedoch vernachlässigbar).

Der Konsum ist auch Mobil geworden – das Handy längt eine portable MP3 Station. Und Dank diensten wie Spotify und Co. können auch Hörspiele ortsunabhängig genossen werden. Das ganze Werbefinanziert über Anzeigen, die der Hörer über sich ergehen lassen muss, weswegen am Ende jedoch der Werbeschaltende die Zeche bezahlt. Gleiches Prinzip gilt auch für YouTube, wo der Kanalbetreiber von YouTube für die Zahl der Views und Clicks auf Anzeigen beteiligt wird.

YouTube als Plattform für Hörspielstreams

Für mich ist YouTube dabei für Hörspiele noch die bessere Wahl, denn der Dienst ist Softwareunabhängig deutlich besser Verfügbar. Anmeldung ist nicht erforderlich und ein Link zu YouTube lässt sich besser mit der potentiellen Hörerschaft teilen und verbreiten.

Daran ist klar zu sehen, dass man anfangen muss, in anderen Dimensionen zu denken: Reichten bei CDs noch 1.000-2.000 Tonträger für die Indipendent Label aus, so braucht man bei YouTube 6-7stellige Abrufzahlen, wie man eine ganze Produktion davon finanzieren. Machbar ist es durchaus, wenn man eine passende Community erschlossen hat und pflegt, aber Reichtum und ewiger Ruhm findet sich in anderen Branchen eher.

Ein paar Erfahrungen die wir mit innovative fiction mit dem Thema “Hörspiele auf YouTube” gemacht haben, durfte ich vergangenen Mai im Rahmen eines Panels im Hörbuch-Forum der Leipziger Buchmesse halten Und wie das heutzutage so üblich ist, freue ich mich über jeden Share, Like und Comment und stehe für Diskussionen zum Thema sehr gern zur Verfügung.

In diesem Sinne!

Euer Falk


Tags: , , , , , , , , , , ,

Posted April 19, 2013 by Falk T. Puschmann in category "allgemein

About the Author

Audiophiler Freund des Phantastischen, Schreiberling von Hörspiel-Skripten, Bewahrer von Online-Games und the ultimate scum of the universe!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *