January 1

01.01.2011 – East Midtown / Kino / Musical

Nachdem die Nacht zuvor dank des Menschen-Exodus vom Times Square etwas kürzer war, habe ich bis Mittag im Bett gelegen und begann langsam meine Beine und Füße wieder zu spüren. Der gestrige Tag steckte mir noch ziemlich in den Knochen, also beschloss ich den ersten Tag des neuen Jahres etwas kürzer zu treten. Der ursprüngliche Plan war gewesen, den Tag für Shopping zu nutzen, dann vielleicht noch in den Central Park und für den Abend hatte ich mir bereits eine Broadway Musicalkarte reserviert – wer ein wenig mehr Zeit mitbringt, kann sich übrigens am Nachmittag am Times Square am Tickethäuschen anstellen, dort gibt es Karten zu nahezu allen Broadway-Aufführungen des Abends 50-60% günstiger. Mein Tagesplan war gut, gerade zu perfekt, aber wie so oft kam alles ganz anders!

Nach einem kleinen Abstecher nach East Midtown, wo ich u.a. Tudor City und das Gebäude der Vereinten Nation zumindest von außen besichtigen konnte – es sieht dieser Tage etwas gerupft aus – führte mich ein kurzer Spaziergang zurück zum Times Square. Meine klare Empfehlung an alle ist, meidet den Time Square am Nachmittag! Hier treten sich die Menschen geradezu auf die Füße und es ist kaum ein Durchkommen mehr. So sehr ich zumindest einmal den Times Square in den Abendstunden empfehle, weil die Lichterschau definitiv einmalig ist, so sehr ist meine Empfehlung, ansonsten ab den Nachmittagsstunden den Platz zu umgehen.

Da ich nach den letzten Tagen, in denen ich viel von A nach B gelaufen war, oder an Platz C stehen musste, war mein persönlicher Fun-Level auf einem Tiefststand. Als ich mich dabei ertappte unmotiviert durch die Nebenstraßen zu schleichen, beschloss ich abermals ins Kino zu gehen – diesmal ins Regal, direkt gegenüber des AMC wo ich zwei Tage zuvor Tron gesehen hatte. Aufgrund meines Spaßdefizits fiel meine Filmwahl diesmal auf “Gulivers Reisen”, die Neuverfilmung mit Jack Black – außerdem wollte ich einen Film sehen, der in Deutschland noch nicht lief, wozu sonst in den USA ins Kino gehen.

Über den Film muss man nicht viel Worte verlieren, außer dass man ihn gut in 2D sehen kann – mir viel keine Stelle auf, wo 3D einen besonderen Effekt gehabt hätte. Ansonsten ist er eine klassische Jack Black-Komödie, die allerdings dank Jason Segel, Billy Connolly und einigen weiteren großartigen Darstellern, nicht ganz absinkt. Außerdem waren ein paar ganz lustige Ideen mit dabei, der Humor jedoch fand fast nicht über der Gürtellinie statt. Auch wenn ich den Film sicher nicht noch ein zweites Mal sehen muss, war das eine Mal doch recht unterhaltsam und meine geplagten Füße konnten sich etwas erholen.

Im Film – der passenderweise in New York seinen Anfang nimmt – geht es um Lemuel Gulliver, der in der Poststelle einer großen Zeitung in seiner eigenen kleinen Welt lebt und insgeheim die Chefredakteurin des Reiseressorts anhimmelt. Doch statt eines Tages die Initiative zu ergreifen und sie nach einem Date zu fragen, outet er sich als verkannter Weltenbummler. In einer Nacht und Nebel Aktion kopiert er (google ist Dein Freund) diverse Reiseartikel zu einer Kostprobe seiner Schreibkunst zusammen und das Unglück nimmt seinen Lauf. Der erste Auftrag führt ihn ins Bermuda Dreieck, wo er völlig überfordert sein Motorboot in einen Strudel steuert und plötzlich als Riese in Liliputt landet.

Das er dort seine eigene „Duftmarke“ hinterlässt, erst zum großen Held stilisiert wird, um alles zu verbocken, tief zu fallen und schließlich seine Angebetete im heroischen Finale zu retten, inklusive eines obligatorischen Happy Ends, versteht sich von selbst. Nach dieser Formel funktionieren die meisten Jack Black Komödien.

Unterm Strich wurde im Kino viel gelacht – nicht nur von mir – was im Allgemeinen immer ein guter Indikator für mich ist. Dabei war das Publikum bunt gemischt, von Kindern über Erwachsene. Mal sehen wie gut der Film bei uns ankommt, wenn er im Februar in Deutschland anläuft. Für ´nen launigen Kinoabend reicht es allemal.

Dann stand das Musical an. Positiv gegenüber meiner bisherigen Deutschland Erfahrung ist zu vermerken, dass man zumindest ein kostenloses Basis-Programm mit den Credits und einigen Hintergründen in die Hand bekommt, was hier zu meist nur kostenpflichtig als Hochglanzbroschüre verkauft wird. Auch die Idee, Softdrinks und Cafe in extra produzierten Trinkbechern zu servieren, die man im Anschluss nach Hause mitnehmen kann, fand ich gelungen. Und wer nicht genug bekommen konnte, für den gab es ein SMS-Spiel, bei dem man etwas gewinnen konnte: Disclosure, in Anlehnung an ein im Stück praktiziertes Ritual, aber ich will nicht zu viel verraten.

Ansonsten sei gleich zu Anfang gesagt, dass Adams Family auf dem breiten Weg gute kurzweilige Unterhaltung ist, die allerdings jenseits Klassikern wie dem “Phantom der Oper” oder “Cats” rangiert. Aber das Ziel verfolgt man hier auch gar nicht. Es geht vielmehr darum, mit einer sehr einfachen und gradlinigen Geschichte, verquickt mit ein paar Adams-typischen Ideen und Einfällen, das Publikum zu unterhalten. Auch die Cast ist mit viel Augenzwinkern und Spaß dabei, allen voran Nathan Lane und Bebe Neuwirth. Am Ende fühlte ich mich leicht beschwingt und ertappte mich dabei, die Nummer vom Anfang vor mich hinzu summen…”If you’re an Adams,…”.

Kurz zur Geschichte: Die kleine Wednesday ist Erwachsen geworden und hat sich verliebt. Natürlich ist die große Liebe ein Normalo und sie nötigt ihre Familie, den Schwarm und die Schwiegereltern in Spe zu einem Abendessen einzuladen. Das Chaos ist vorprogrammiert und das Happy End überrascht auch wenig. Aber auch solche Geschichten können gut unterhalten. Im Falle der Adams sehe ich zumindest eher den Sinn eines Musicals, als bei z.B. “Evil Dead” oder “Spiderman” (ja auch zu Spidey gibt es ein Musical mit Musik von Bono und the Edge von U2…(kein Kommentar!)).

So war der Tag am Ende zwar recht unproduktiv, aber nicht minder unterhaltsam und ein dringend benötigter Pitstop.

In diesem Sinne,

Euer Falk

Anmerkung:

Dies ist ein persönliches Tagebuch meiner ersten Reise zum größten Apfel der Welt. Ich beschreibe darin Erfahrungen, die ich gemacht habe, Dinge die ich gesehen habe und welche Tipps ich anderen geben würde. Es ist kein Ersatz für einen Städteführer noch eine Garantie für die Richtigkeit, jeder getroffenen Aussage. Vielmehr habe ich versucht, in lockerem Stil meine Sicht zu Papier – bzw. Bits und Bytes zu bringen. Wer einen informellen Artikel zum Thema New York lesen möchte, der sollte Googeln oder National Geographic lesen!




Posted January 1, 2011 by Falk T. Puschmann in category "onlocation

About the Author

Audiophiler Freund des Phantastischen, Schreiberling von Hörspiel-Skripten, Bewahrer von Online-Games und the ultimate scum of the universe!

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