November 4

Der perfekte Moment: Die unendliche Stadt

Was ist der perfekte Moment? Für mich ist das ein Augenblick in dem auf eine merkwürdig angenehme Weise sich alles so anfühlt wie es sein soll. Letzten Samstag hatte ich genau so einen Moment, als ich auf dem Rücksitzes eines Motorrollers durch die klare Münchnernacht getragen wurde. Ich hatte ein Bild vor Augen, fast schon zum Greifen nah: Die unendliche Stadt!

“Es ist frisch hier, und ein kaum bekannter Duft steigt mir in die Nase. Es riecht nach Grün, so satt, wie man es nur noch hier findet. Eine kühle briese weht von den nahen Luftaufbereitern herüber. Hier kann ich Nachdenken, finde Trost und Ruhe. Und habe den perfekten Blick über die unendliche Stadt. Sie spannt sich soweit meine Augen sehen können und erfüllt den gesamten Horizont. Es gibt kein oben und kein unten in ihr und es fühlt sich fast so an, als würde ich in ihrer ruhigen, geborgenen Mitte schweben.

Es ist Nacht, wenn auch eine künstliche, denn wie zum Trotz fahren jeden Abend die hellen Strahler der künstlichen Sonne ihre Leistung herunter, um den Bewohnern der unendlichen Stadt ein Gefühl von Heimat zu spenden, die sie schon vor langer, sehr langer Zeit verloren haben.

Das Häusermeer wird von kleinen Lichtern durchflutet, die einem in der Bewegung eingefrorenen Feuerwerk ähneln und ein mattes Licht auf meinen kleinen Zufluchtsort werfen, wie Sterne leicht den Weltraum erhellen.

Der Park ist eine Oase. Die letzte Zuflucht vor der Zivilisation. Und doch kann man sie nur von der oberen und der mittleren Stadt aus erreichen. Natürlich gibt es auch in anderen Teilen der Stadt kleinere Grünanlagen, doch genau dieser Park, der inmitten von allem schwebt ist besonder schön und höchst exklusiv. Offiziell zur Nachtzeit geschlossen haben wir uns schon als Kinder gern hier herauf geschlichen und haben den Anblick genossen, den Blick in die Unendlichkeit.

Jetzt sitze ich hier alleine und denke nach. Die Ereignisse des heutigen Tages reflektieren vor meinem geistigen Auge und es fällt mir diesmal schwer mich an dem Ausblick zu erfreuen. In mir spüre ich das sich etwas geändert hat und ich meine innere Unschuld wohl auf ewig verloren habe. Ich will die Wahrheit wissen. Nicht die offizielle, die man von Vorgesetzten serviert bekommt, nein, die einzig wahre, die als Konstante übrig bleibt, selbst wenn alle schon längst vergangen sind.

Ich werfe einen letzten Blick auf das flackernde Häusermeer das mich umgibt, greife mir meine Uniformjacke und kehre zurück in die reale Welt. Heute noch werde ich der Warheit einen Meilenstiefelschritt näher kommen. Die Wahrheit ist irgendwo da draufen… und ich werde sie finden!”

Es handelt sich hierbei um die Beschreibung eines Ortes aus einem meiner kommenden Hörspiel-Projekte, die ich so lebendig vor Augen hatte, das ich mich fast wie dort vor Ort fühlte. Solche Augenblicke sind leider selten und müssen nicht zwangsläufig mit Geschichten verbunden sein. Orte, Anblicke, Gerüche und Begegnungen können die Auslöser sein.

Doch jetzt erstmal zurück in die Reale Welt und mein Fluch-Projekt abgeschlossen 🙂 aber auf baldiges Wiedersehen, meine Unendliche Stadt… mein Ruheort im Kosmos… bald sehen wir uns wieder!

Euer Falk




Posted November 4, 2010 by Falk T. Puschmann in category "schreibstube

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Audiophiler Freund des Phantastischen, Schreiberling von Hörspiel-Skripten, Bewahrer von Online-Games und the ultimate scum of the universe!

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