October 17

Auf das Ende kommt es an…

Eine Geschichte besteht im groben aus drei Hauptteilen:

Dem Anfang: Wer, wo, was, wann, wieso und weshalb? Das Setting wird gesetzt und der Protagonist auf eine Reise geschickt.

Der Mitte: Der steinige Weg des Protagonisten und seiner Begleiter durch die Handlung, die möglichst einem roten Faden, den Gesetz der Logik und dem gesunden Menschenverstand folgt. Ein zunehmender Spannungsbogen hilft oft auch weiter ;).

Dem Ende: Das zentrale Ziel jeder Handlung, die hier ihren Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss findet. Und der ist es, der am Ende dem Konsumenten verrät, ob die Geschichte funktioniert hat, oder nur wichtige Minuten / Stunden des eigenen Lebens gekostet hat.

Ich wage die These, dass der Schluss das Schlüsselelement der ganzen Sache ist, da man leicht mit einem falschen Ende, das komplette Kartenhaus einfallen lassen kann, dass man sich seit Anfang aufgebaut hat. Tolle Charaktere eingeführt, sie eine tolle Entwicklung beschreiten lassen und dann kurz vor dem Ziel den Protagonisten plötzlich jeglicher Handlungslogik in ein schwarzes Loch treten lassen.

Ganz so vereinfachen lässt es sich natürlich nicht, denn natürlich dürfen auch gute Geschichten ein schlimmes Ende nehmen. Doch sollten alle Teile schön zusammen passen. Ein schönes Negativbeispiel ist für mich der Film “Blueberry” in dem der niederländische Regisseur Jan Kounen es schafft, aus einer spannenden Comicverfilmung die Indianische Matrix zu machen und dem Ende inklusive Endkampf jegliche Energie und jeden Reiz zu nehmen.

Oder auch der große Steven Spielberg, der es schafft mit dem “Krieg der Welten” eine lebendige, düstere Welt der Hoffnungslosigkeit zu errichten, die er gegen Ende für ein Hollywood Happy End über Bord gehen lässt… am Ende ist doch niemand gestorben, alles wird wieder gut und die Menschheit (und der Familienvater) hat triumphiert. (ersteres gibt die literarische Vorgabe vor, letzteres ist ziemlich fehl am Platz)

Aber es muss auch nicht immer das Comichelden-Zahnpasta-HappyEnd Marke Hollywood sein. Schönes Beispiel dafür ist der mir just über den Weg gerollte Film “Der Nebel”, der basierend auf einer Stephen King Vorlage ein ziemliches Schreckensszenario nebst Emotionaler Tiefschläge und psychischer Ängste errichtet und am Ende mit drei gezielten Faustschlägen in die Magengrube des Konsumenten am Straßenrand liegen lässt.

Den Mittelweg mit steinigem Happy End schafft “Serenity” von Joss Whedon, der sich von einiger sehr liebgewonnen Charakteren trennt, aber dennoch zu einem guten Ende führt… das Böse wird geschlagen und die Wahrheit siegt.

Dabei ist es natürlich die große Herausforderung, über die Handlung hinweg ein Erwartungsgefühl aufzubauen, dass man dann mit einigen gezielt gesetzten Überraschungen noch steigert, um ein Ende zu servieren, dass nicht vorhersehbar, aber dennoch schlüssig und befriedigend ist. Dabei kann befriedigend auch durchaus nachdenklich bedeuten, solange wie gesagt ein schlüssiges Ganzes entsteht, ohne das ich in Logiklöchern eines “Van Helsing” oder in Effektwüsten eines “Battlefield Earth” versinke.

Ich favorisiere gern ein Bad End oder den Mittelweg. Ich finde, der Held muss einer Herausforderung gestellt, eine persönliche und zehrende Reise gemacht und einen Preis gezahlt haben.


Tags: , , , ,

Posted October 17, 2010 by Falk T. Puschmann in category "schreibstube

About the Author

Audiophiler Freund des Phantastischen, Schreiberling von Hörspiel-Skripten, Bewahrer von Online-Games und the ultimate scum of the universe!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *