March 9

Getting Lost oder ein Tagesausflug auf die Insel

Nach dem großen Erfolg der ‘Robinson Crusoe’ meets ‘Die geheimnisvolle Insel’-Serie Lost, in ihrem Erzeugerland, den USA, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Mystery-Reihe ihrem Weg auf heimische PC finden würde. Streng genommen ist ‘Lost – Via Domus’ aber nicht das erste Spiel. Bereits früher veranstalteten die Macher kleine Web-Adventures, in denen die geneigten Zuschauer ein wenig tiefer in bestimmte Handlungsstränge eintauchen konnten, und zumeist mit netten kleinen Insights belohnt wurden. So ist der neue Titel streng genommen auch nur eine Fortführung, bzw. Erweiterung eben jenes Konzeptes.

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Amnesiegeplagten Fotografen, der zusammen mit den bekannten Seriencharakteren ums überleben und den wiedererwerb seiner Vergangenheit kämpfen muss. Dabei wurde bei der Grafik sehr viel Liebe aufs Detail gegeben und so sehen wir viele aus der Serie bereits bekannte Orte wieder und können uns dort ein wenig umsehen. Die Texturen sind dabei besonders gelungen und so offenbart sich dem Besitzer einer hochgezüchteten Spielemaschine ein echtes Eye-Candy. Aufpassen müssen allerdings besitzer von Notebooks, den hier stoßen viele Geräte trotz mobiler Geforce- oder Radeon-Power an ihre Limits. So wird auch explizit auf der Packung darauf hingewiesen, dass Notebookgrafikkarten offiziell nicht unterstütz werden. Auf unserem Testsystem – einem Dual-Core 1,66 Mhz Notebook mit 2 GB Arbeitsspeicher und mobiler nNivea GForce Karte, wurde der Spielfluß trotz deaktivieren aller Details oft von Hängern beeinträchtigt.

Ansonsten hat man sich auch bei den anderen Bereichen, wie Musik, Effekte und Sprache sehr viel Mühegegeben. Außerdem lässt sich die Spielsprache per Option wechseln, so dass man wahlweise, z.B. die deutsche Synchro oder das Überseeorginal hören kann. In beiden Fällen wurde auf die Orginalbesetzung zurück gegriffen, was für eine kräftige Portion Athmosphäre sorgt. Abzüge gibt es hier trotzdem, denn die Animation der Akteure sieht teilweise sehr stockig aus, was regelmäßig für kräftigen Stimmungseinbruch führt.

Außerdem wird der exzessive Losti auch auf den ein oder anderen Abfolgefehler stolpern, der aber dank eines Twist am Ende – den wir hier verständlicherweise vorenthalten – wieder grade gebogen. Die Story selbst ist aufgeteilt in sieben kleine Episoden, die jeweils wie eine Lost Serienfolge, mit Vorspann und ‘Lost’-Endschriftzug versehen wurde. Man merkt schnell, dass sich das Spiel vorallem an die Gelegenheitsspieler unter den Serienfans richten, denn der erfahrene Zocker hat das gute Stück an einem Abend durch.

Die erzählte Geschichte wird über besagte Episoden quer durch die ersten drei Staffeln von ‘Lost’ geführt und klingt sich – wie man das schon in der 14. Episode der 3. Staffel gemacht hat – in bekannte Ereignisse der Serie ein. Dadurch wird das Spiel allerdings für alle ‘Lost’-unkenntlichen Spieler unattracktiv, da die einzelnen Charaktere und Begebenheiten grundsätzlich nur kurz angerissen werden.

Zwei weitere kleine Haare in der Suppe sind zum einen, dass die Spielewelt zwar sehr detailliert ist, aber relativ leer. Wir treffen so z.B. auch im Camp unserer Überlebenden nur jeweils 2-3 Charaktere gleichzeitig. Auch die Dialoge verlaufen, wie das restliche Spiel extrem Liniear, so dass ich als Vielspieler kaum den Begriff Adeventure verwenden möchte. Denn es finden neben allerlei Denksportaufgaben, kleinen Minispielen und Aktionszenen nur rudimentär klassische Point&Klick Rätsel statt.

Ein Minuspunkt gibt es im Speziellen für die Deutsche Übersetzung der Dialoge. Hier ergeben manche Passagen recht wenig Sinn.

Das Fazit: “Lost – Via Domus” ist vor allem kurzweilie Unterhaltung für ‘Lost’-belesene Gelegenheitsspieler, die aber nichts desto trotz über eine starke Grafikkarte und eine solide Rechenleistung verfügen. Wer die Fernsehreihe schon nicht mochte, sollte einen Bogen um den Titel machen und lieber zu anderen Adventures zuschlagen. Fans der Reihe sollten einmal reinschnüffeln, den gerade die Möglichkeit, sich bestimmte Orte, wie “Black Rock” und weitere Handlungsorte besuchen zu können, sorgt für Lostiges Feeling. Aber nicht traurig sein, wenn es schnell vorbei ist. Die nächsten Folgen aus USA kommen ja – dort hat letztlich die Ausstrahlung der 4. Staffel angefangen.

Und wie schon gesagt, werden hier zwar einige Handlungsstränge der Serie etwas genauer dargestellt, wirklich neues gibt es eigentlich nicht bis wenig. Aber das Konzept kennt man ja als ‘Lost’-Zuschauer sowieso schon.

Also nicht verloren gehen!